Symposium 2018

 

"Wohin mit mir? Kognitiv beeinträchtigt und psychisch krank - wenn Einrichtungen, Angehörige und Betroffene an ihre Grenzen stoßen."

Unter diesem Titel widmen sich die Hartheim Impulse 2018 dem Thema der Betreuung und Begleitung von Menschen mit psychischen und kognitiven Beeinträchtigungen. Das Symposium spürt den ganz besonderen Bedürfnissen dieser KundInnen nach und versucht, die oft schwer verständlichen Handlungsmuster zu erklären. Problemfelder im Betreuungsalltag werden aufgezeigt und Lösungsmöglichkeiten für Konfliktsituationen diskutiert. 

Es erwarten Sie interessante Fachvorträge von ReferentInnen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten und wissenschaftlichen Zugängen sowie  kontroverse Dikussionsforen.

 

Plenarreferate zu den Themen

Behindertenarbeit – völlig anders?

Die traditionelle Aufgliederung der Arten von Beeinträchtigungen in körperlich, kognitiv und psychisch ist von der Entwicklung her verständlich. Sie spiegelt allerdings in vielen Fällen die Realität nicht wieder, denn die Alltagssituation
beeinflusst in der Regel mehrere Aspekte der betroffenen Menschen. Auch im Bereich der Krankheitslehre findet sich die Überschneidung von körperlich versus psychisch zunehmend und muss im Behandlungsalltag Einzug halten. Es ist von großer Bedeutung, dass diese Aspekte in die Ausbildung der involvierten Berufsgruppen und damit in den Arbeitsalltag eingefügt werden und gleichzeitig für die tägliche Berufsausübung selbstverständlich werden. Das Referat soll diesbezüglich anregen und auch Lösungsansätze vermitteln.

Univ. Doz. Prof. Prim. HR Dr. Werner Schöny


Bindung und Traumatisierung – neurobiologische und therapeutische Aspekte

Thema des Vortrags werden die Einflüsse von Bindungserfahrungen auf die Regulation von Emotionen und Verhalten sein. Dazu werden neurobiologische, bindungstheoretische und therapeutische Aspekte in Bezug auf die gesunde und pathologische Entwicklung diskutiert. Ein besonderer Schwerpunkt wird dem Phänomen der Dissoziation als Ausdruck einer frühen Bindungstraumatisierung aber auch als individueller Schutzfaktor gewidmet sein.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Aichhorn, MBA

 

Wie zeigen sich Stressregulationsstörungen? Was ist das Psychiatrische?

Der Begriff der Stressregulationsstörung kann als Synonym für traumatogen-assoziierte Erlebens und Verhaltensstörungen verstanden werden. Im Rahmen des Vortrages werden Verhaltensweisen von KundInnen des Institutes Hartheim näher betrachtet, die für die Betroffenen selbstregulierende Mechanismen darstellen, für die Umwelt aber oft befremdend sind. Psychiatriewertige Verhaltensweisen sind nicht immer in einer kognitiven und
mehrfachen Beeinträchtigung begründet, sondern stellen einen Selbsterhaltungs- und Bewältigungsversuch der Persönlichkeit im Rahmen seiner jeweiligen Geschichte dar. Hierzu wird exemplarisch ein beispielhafter Bogen von Kompensationsversuchen von KundInnen geschildert, der die
doppelte Betroffenheit der Person, im Sinne einer „Doppeldiagnostik“ verdeutlichen soll.

Dr.in Michaela Mayer, BEd MA


Demenz neu denken – Impulse eines reflektierten Praktikers

Der Begriff „Demenz“ lässt mitunter auch erfahrene Berufsangehörige zusammenzucken. „Was kann man denn überhaupt noch machen?“, Bilder
von Siechtum und Verlust stellen sich ein. Doch ist das die ganze Wahrheit? Vincenzo Paolino stellt in Grundzügen die physiologische Seite dementieller Entwicklungen dar und stellt gleichzeitig das höchstpersönliche Erleben jedes einzelnen Betroffenen in den Vordergrund. Diesem Erleben müssen Architektur, Betriebskultur und medizinisch-pflegerische Bemühungen Rechnung tragen, um Würde und Lebensqualität aller an Betreuung und Pflege Beteiligten sicherzustellen. Am praktischen Beispiel „Almacasa – selbstbestimmt umsorgt.“ werden dabei die wichtigsten Elemente herausgearbeitet.

Vincenzo Paolino, BScN, BA Psychologie

Workshops

Essstörungen – Hungerkünstler und Suppenkasper ?

Essstörungen sind ernstzunehmende Erkrankungen, die zumeist in der frühen Adoleszenz ihren Beginn nehmen. (Meist) junge Menschen, die an einer Essstörungen erkrankt sind, zeigen einen sehr hohen Leidensdruck; die Erkrankung bestimmt den Alltag und das familiäre Zusammenleben.

Essstörungen neigen zudem zur Chronifizierung und können gravierende Spätfolgen nach sich ziehen. Bei früher Erkennung und bei einem dementsprechend frühen Behandlungsbeginn, kann eine Heilung bzw. das Wiederherstellen eines altersgerechten Alltags gelingen.

In diesem Workshop wollen wir anhand von Fallbeispielen unterschiedlichen Krankheits- bzw. Genesungsverläufe diskutieren.

Dr.in Doris Koubek

 

Depression, Psychose, Dissoziation - Ausdruck einer Überforderung oder einer psychischen Erkrankung

Die Bewältigungsressourcen von Stresserfahrung und psychischem Symtomdruck sind bei Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung deutlich eingeschränkt. Neben dieser geringeren Belastungstoleranz kommt es, abhängig von der individuellen körperlichen und persönlichen Veranlagung, auch zu einer jeweils sehr spezifischen Ausprägung von psychischen Krankheiten. Im Rahmen dieses Workshops geht es um die Wechselbeziehungen von kognitiver Beeinträchtigung und psychischer Erkrankung, sowie um verschiedene Möglichkeiten einer Behandlung und Prävention.

Dr. Karl Arthofer

 

Demenz

Im Workshop werden einzelne Inhalte des Plenarreferats verarbeitet und vertieft. Dabei werden betriebliche Werte und Bedürfnisse dementiell veränderter Menschen anhand der "7 Domains of Wellbeing" von Dr. Al Power thematisiert. Zudem besteht die Möglichkeit auf Fallbeispiele der Teilnehmenden einzugehen und spezifische Fragen zur Architektur und Arbeitsplatzgestaltung zu beantworten.

Vincenzo Paolino, BScN, BA

 

Biographiearbeit und Entwicklungstraumatisierungen

Die Biografie jedes Menschen mit seinen Bindungspersonen, Umgebungswelten und genuinen Ereignissen ist neben der genetischen Dimension formend und persönlichkeitsgestaltend. Das Wissenschaftsgebiet der Epigenetik eröffnet neue Blickpunkte, die die Veränderung der Genfunktion durch Umweltfaktoren diskutiert. Im Rahmen des Workshops wird ein Versuch der Biografiearbeit mit KundInnen des Institutes Hartheim dargestellt, der sich um ein Verständnis der Person mit ihrem individuellen Verhaltensausdruck bemüht. Hierzu wird die "Gewordenheit" der Persönlichkeit vor dem Hintergrund ihrer Biografie betrachtet, die oft auch herausfordernden Verhaltensweisen eine Bedeutung geben kann.

Dr.in Michaela Mayer

 

Deeskalation und dissoziative Verhaltensweisen

Rahmen und Spielraum: Es werden selbst- und fremdaggressive Verhaltensweisen von kognitiven und psychischen, die wir oft als herausfordern erleben, thematisiert. Wir stellen ein Konzept zur Planung, Durchführung und Koordination sämtlicher Maßnehmen für den bestmöglichen Umgang mit Gewalt und Aggression vor.

Mag.a Andrea Pinnitsch und Mag. Dietmar Mairinger

 

"Wohin mit mir? Kognitiv beeinträchtigt und psychisch krank - wenn Einrichtungen, Angehörige und Betroffene an ihre Grenzen stossen" am 7. Juni 2018 wird laut Begutachtung durch den Berufsverband Österreichischer PsychologInnen I BÖP als Fort- und Weiterbildungsveranstaltung gemäß Psychologengesetz mit insgesamt 6 Einheiten anerkannt.

 

Anmeldung und Preise

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